Geriatrie: sechs Bereiche der BetreuungTiermedizinische GeriatrieDr. Svenja Joswig
Tiermedizinische Geriatrie

Informationen zur IAAHPC

IAAHPC: internationale Kompetenz für tiermedizinische Hospiz- und Palliativversorgung

Silhouetten einer Frau und eines Hundes, die im Sonnenuntergang Pfote und Hand berühren

Die International Association for Animal Hospice and Palliative Care (IAAHPC) ist eine internationale gemeinnützige Fachorganisation, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 2009 für die Weiterentwicklung der Hospiz- und Palliativversorgung von Tieren einsetzt. Sie verbindet tiermedizinische Fachkräfte und weitere Berufsgruppen, die Tiere mit chronischen oder lebensbegrenzenden Erkrankungen und deren Familien begleiten.

Im Mittelpunkt steht die bestmögliche Lebensqualität des Tieres. Dazu gehören die Linderung von Schmerzen und anderen belastenden Symptomen ebenso wie die Berücksichtigung seiner emotionalen und sozialen Bedürfnisse. Auch die Tierhalter werden ausdrücklich einbezogen: Sie benötigen verständliche Informationen, Unterstützung bei schwierigen Entscheidungen und Begleitung angesichts von Pflegebelastung, Abschied und Trauer.

Für tierärztliche Teams bietet die IAAHPC fachliche Orientierung durch Leitlinien, Fortbildungen, Kongresse und internationalen Austausch. Zugleich fördert sie Forschung und die Weiterentwicklung von Versorgungskonzepten. Ihr Ziel ist es, die Hospiz- und Palliativversorgung als selbstverständlichen Bestandteil einer umfassenden tiermedizinischen Betreuung zu etablieren und für mehr Tiere zugänglich zu machen.

Ein wesentlicher Bestandteil ihrer Bildungsarbeit ist das seit 2016 bestehende Zertifizierungsprogramm. Tierärztinnen und Tierärzte können die Qualifikation zum Certified Hospice and Palliative Care Veterinarian (CHPV®) erwerben; für tiermedizinisches Fachpersonal besteht das Programm zum Certified Hospice and Palliative Care Technician (CHPT®). Die Programme vermitteln vertiefte Kenntnisse für die Betreuung schwerkranker Tiere und die Begleitung ihrer Halter.

Gerade für die Betreuung geriatrischer Patienten bietet die Arbeit der IAAHPC wertvolle Orientierung. Mit zunehmendem Alter können mehrere chronische Erkrankungen gleichzeitig bestehen, deren Behandlung sorgfältig aufeinander abgestimmt werden muss. Neben einzelnen Organbefunden rücken dabei das Wohlbefinden, die funktionellen Fähigkeiten und die Lebensqualität des gesamten Patienten in den Mittelpunkt.

Palliativmedizin kann die geriatrische Versorgung bereits frühzeitig ergänzen – auch parallel zu einer krankheitsgerichteten Therapie. Sie gewinnt insbesondere dann an Bedeutung, wenn Erkrankungen nicht heilbar sind oder trotz Behandlung Beschwerden verursachen. Zu ihren Aufgaben gehören beispielsweise die Linderung von Schmerzen, Übelkeit, Atemnot und Unruhe sowie die Unterstützung bei nachlassender Mobilität, Appetitverlust oder Problemen im Alltag. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, richtet sich nach dem individuellen Bedarf und dem Verhältnis zwischen zu erwartendem Nutzen und Belastung für das Tier.

Dabei bedeutet ein palliativmedizinischer Ansatz keineswegs, therapeutische Möglichkeiten vorschnell aufzugeben. Vielmehr geht es darum, realistische Behandlungsziele festzulegen und regelmäßig zu prüfen: Welche Beschwerden lassen sich lindern? Welche Fähigkeiten und positiven Erlebnisse können erhalten werden? Und welche Untersuchungen oder Behandlungen tragen tatsächlich zum Wohlbefinden bei?

Ebenso wichtig ist die Begleitung der Tierhalter. Sie übernehmen einen wesentlichen Teil der täglichen Versorgung und benötigen praktikable Empfehlungen, verständliche Kriterien zur Einschätzung der Lebensqualität und Unterstützung bei schwierigen Entscheidungen. Die von der IAAHPC geförderte ganzheitliche Betreuung verbindet diese Bedürfnisse mit der medizinischen Versorgung. So lässt sich der Übergang von der Behandlung chronischer Erkrankungen zur Betreuung am Lebensende vorausschauend gestalten – mit dem Ziel, Leiden zu begrenzen und möglichst viel Lebensqualität zu erhalten.

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